Trillian

Mit dem für Trillian typischen Bereich öffnet sich das Message-Fenster. Jens schaut hastig auf den Absender. Eigentlich ahnt er es schon und darum ist der Blick auch nur fl?chtig. Seine Bef?rchtung bewahrheitet sich und so tippt er mit leichtem Zittern im Zeigefinger “Hi Ralle”. Enter und die Message geht ?ber die weiten Leitungen des Internets bis an seiner Bestimmung. Ein leicht skeptischer Blick folgt, als seine Nachricht im Chatfenster erscheint. Die ach so lange Zeit des Wartens begann. Fr?her kam es ihm nicht so lange vor. Da sa? er Stunden am Rechner und verga? die Zeit. Das war einmal, heute schaut er etwas unbehaglich auf die Uhr und wartet auf eine Antwort. Jens zwinkert kurz mit den Augen, als die Antwort kam. Wie er es von Ralle kannte, kam nur ein einfaches spartanisches “Hast du Zeit?”. Zu oft las er es. Zu oft …
10 Finger -Tippen war schon lange kein Problem mehr für ihn. Dennoch läßt er sich heute etwas l?nger Zeit und durchdenkt seine Antwort genauer. Die falsche würde ihn knebeln und die richtige fesseln. Er entschlie?t sich zum Mittelweg. “Wozu?” bildet die nun formierte knappe Antwort und mit einem erneuten *Pling* geht sie über den Eta des Internet.

Der helle Monitor bildet im sonst dunkleren Raum den einzigen Punkt der Anziehung des Blickes. Auf ihm sind mehrere hellblau- graue Fenster. Das sind sie täglich zu dieser Zeit. Und täglich sitzt der selbe Mensch davor.
*Pling* macht es und auf einem der bereits überlappten Fenster erscheint die Nachricht. Ralle klickt rüber um nachzuschauen was ihm geschrieben wurde. “Wozu?” … dieses ständige Hinterfragen nervt ihn an manchen Tagen. An Tagen wie diesen ist es ihm jedoch egal, er überliest sie und schreibt gleich “langeweile … wann kann i komm’?” Während des Tippen kommen ihm einige Rechtschreibfehler unter. Die groben korrigiert er hastig, kleinere läßt er, aber und auf Groß- und Kleinschreibung achtet er schon gar nicht mehr. Er meint es würde nur seine wertvolle Zeit stehlen. Auf die Idee, dass er diese eh verliert, weil der Gegenüber dafür l?nger zum entziffern braucht, kam er noch nicht. Enter und die Nachricht macht sich auf ihren Weg. Eine Sekunde später ist sie schon unwichtig. Längst hat Ralle zu einem anderen Chat umgeschaltet und sich dort in kurz gedachten Statements verewigt. Gespannt schaut er auf den Monitor und h?tte kaum mit bekommen, hätte jemand im Raum gestanden. Aber es stand niemand, er war allein und wartete auf eine Antwort. Auf viele Antworten. Gerade will er wieder auf einen Forenbeitrag antworten, ?plingt’ wieder Trillian mit einer neuen Nachricht. Wie keine Minute zuvor schaltet er zum Chatfenster mit Jens.

Seine Haut war nicht sch?n, aber für gewöhnlich fühlt er sich gut drin. Diesmal ging es Jens aber anders. Etwas quer lag es ihm schon in seinem Bauch, hatte er Ralle selten so entgegen gesprochen. F?r gewöhnlich vermied er die Konfrontation und ging Problemen und Konflikten lieber auf dem Weg. Immer, konnte er es aber nicht vermeiden und heute ist wieder ein Tag wo es so ist. Kompromisse ging er schon viele ein, für sein heutiges Gefühl zu viele. Rationell gesehen, tat er genau das richtige. Aber und das schmerzte ihn, emotional f?hlte er sich mies. War er doch lange Zeit mit seinem Gegen?ber sehr verbunden gewesen. Er konnte ihm nicht weh tun. Es widerstrebte ihn. Nur unter starker Konzentration gelang es ihm diese Botschaft auf den Computer zu übertragen. Seine Finger werten sich, doch der Geist konnte sich durchsetzen. Mehrmals las er es sich durch. Perfekt fand er es nie, aber er begann es zu akzeptieren. Sein kleiner Finger glitt Richtung “Enter”- Taste. Klick und leicht versetzt das von Trillian bekannte Pling.
Nun steht es da. Für beide lesbar. “Ich habe Zeit. Doch nicht für dich! Ich sage dir wenn ich welche habe und ich sage, dass dein Nick lange genug in meiner Contact List stand!”
Erleichterung kommt langsam in ihm hoch. Befreit, fühlt er sich, von einer Last.

Sein Blick wandert gezielt über den leicht flimmernden Monitor. Unzählbar oft mahnte ihn seine Mutter bereits dass es sch?dlich sei, aber es störte und kümmerte ihn nicht. Beim lesen beugte er sich manchmal schon leicht vor. So unbewußt, das er es selbst nicht mitbekam. Heute macht er jedoch noch etwas anderes unbewußt. Beim lesen der letzten Nachricht gleitet sein Mund leicht auf und mit leicht unfa?barem Blick fliegt er über die Zeilen. Das war ihm Neu, so kannte er Jens nicht. Nie schrieb er derartiges. Im Inneren f?hlt sich Ralle leicht ber?hrt. Warum, fragt er sich, findet niemand f?r ihn Zeit. Den Gedanken kaum zuende bringend, wird er von anderen Trillian Messages unterbrochen. Mit der Antwort “dann halt nich …” fertigt er Jens ab und stellt sich mental wieder auf seine anderen Chatts ein. Es gibt andere Deppen denkt er sich leicht sarkastisch.
Seine Maus wandert in die rechte obere Ecke. über einen Button mit einem “X”. Klick und Trillian beendet sich mit einem bekannten *Pling*